Über mich

Ich bin Geschichtenerzählern und seitdem ich mehr Worte als „Du“ und „Stock“ schreiben kann, auch Dichterin. Als ich recht ungeschickt und ziemlich rasant auf die Welt kam, hatte ich eine dieser großen Handtaschenungetüme bei mir, in denen man nie findet, was man sucht, aber immer irgendwelche Schätze. Ich wäre lieber Sängerin geworden oder Tänzerin, aber in meiner Handtasche waren Wörter und jede Menge Phantasie. Die ersten Geschichten habe ich in die leeren Zeilen alter Notenhefte meiner Schwester gequetscht, dann in eigene Schreibhefte, deren Umschläge ich bemalte. Es gab Zeiten, da bin ich nirgendwohin gegangen, ohne ein Schreibheft bei mir zu haben. Es gab Zeiten, da war das Schreiben mein einziger Halt in mir selbst und ich veröffentlichte Gedichte, lyrische Kurzprosa und ein Kinderbuch. Ich begann damit, in Seminaren Kinder und Erwachsene zu ermutigen, selbst zu schreiben und Geschichten zu erfinden, in dem Wissen um den Reichtum und das Glück der inneren Bilder. Und ich entdeckte, wie schön es ist, auf vielfältigste Weisen, Kindern Geschichten zu erzählen – aus der Handtasche, mit Handpuppen, mit Marionetten, mit dem Kamishibai, mit einem kleinen bezaubernden Holztheater nach Vorlage alter Papiertheater und mit Schattenspiel. Mein inneres kreatives Kind sitzt immer vergnügt mitten im kleinen Publikum. Geschrieben habe ich viele Jahre nur noch sehr wenig, und das hat mich traurig gemacht.

Nun mache ich mich wieder auf Schatzsuche in meiner großen Handtasche. Jeden Tag tauche ich mit einer kleine Gestalt auf und sage mir damit selbst: sie müssen nicht gut sein, nur da. Es ist meine Liebeserklärung an das kreative Kind in mir und an die Schöpfungskraft.

„Kreativität ist unser Geschenk von Gott. Ihr Gebrauch ist unser Geschenk an Gott. Das Akzeptieren dieses Austausches ist der Beginn der wirklich Sebstannahme.“
Julia Cameron

Berit Knorr

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